Montag, 24. August 2015

Ich bin bi...

Nein, nicht sexuell - sondern erkrankt an der bipolaren Störung. Hatte ich das bereits erwähnt? Ich glaube nicht. Nun, ein schwerwiegender Grund, warum ich ständig für mein Leben kämpfe, ist genau diese Erkrankung. Bipolar zu sein erfordert viel Kraft. Ständig muss ich mich wieder aufrappeln, wenn ich hingeflogen bin, um meine Krone wieder aufzusetzen und weiter zu watscheln. Keine leichte Aufgabe! Denn so oft, wie ich falle, so blau können Knie gar nicht werden.

Meine Geschichte: dass ich psychisch nicht ganz in Ordnung bin, das ist schon sehr lange der Fall, wahrscheinlich seit meiner Kindheit. Doch das wollte ich nie wahrhaben. Schon vor mehr als zwanzig Jahren riet mir eine Neurologin zu Antidepressiva, die ich natürlich dankend ablehnte und mich hier wieder bei ihr blicken ließ. Depressionen - ICH? Pfffff, im Leben nicht. Außerdem verändern diese Pillen meine Persönlichkeit, so dachte ich damals. Die Jahre vergingen und es wurde nicht besser. Ich fing an, psychosomatisch zu reagieren, weil ich den Schmerz meiner Seele ignorierte. Nach dem Studium fiel ich in das besagte Loch, Konnte und wollte mich nicht aufraffen, beruflich Fuß zu fassen, so dass ich den idiotischen Plan hatte, Mutter werden zu wollen. Das Alter (29) passte ja schließlich und die Liebe meines Lebens hatte ich auch gefunden. Es stellte sich heraus, dass wir beide unfruchtbar sind, die künstliche Befruchtung wurde geplant. Meine Gynäkologin schickte mich unterstützend zur Psychologin "das wird kein leichter Weg, Frau F." sagte sie und ich nahm es an. Die folgenden zehn Jahre verbrachte ich dann in Psychotherapie, bei der mir einiges klar wurde.
1. Ich will keine Mutter werden
2. Ich bin depressiv
3. Ich muss mein Leben in Ordnung bringen
4. Ich muss mich um mich selbst kümmern.
Die Therapie half insofern, als dass ich beruflich anfing Fuss zu fassen, soziale Ängste verlor und sich mein Selbstbewusstsein steigerte. Aber nach einem Hoch folgt meist das Tief, ich wurde wieder depressiv und das schlimmer als je zuvor! Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich das ohne medikamentöse Unterstützung nicht schaffen kann und ich ließ mir ein Antidepressivum verordnen. Es half, sehr gut sogar und ich war lange Zeit stabil. Aber trotzdem fiel ich in eine weitere, sehr schwere Depression, ich weinte 2 Tage lang und dachte an Suizid. Nein, ich wollte nicht sterben, aber ich wollte auch auf keine Fall so weiter leben müssen und der Freitod schien mir die beste Lösung. Trotz allem war ich aber noch so klar im Kopf, dass ich zu meinem Psychiater fuhr, der mich als Notfall in die Psychiatrie einwies. Um es kurz zu halten, ich blieb nicht dort, wollte mich nicht vollpumpen lassen. Stattdessen trat ich eine psychosomatische Reha an, war ganz gut, aber mit fünf Wochen viel zu kurz und ich war nach kurzem aufbäumen wieder im Keller. Die Rehaklinik hatte mich als "arbeitsfähig" entlassen und mir eine "unsichere Persönlichkeit" und "Depression" bescheinigt. Ich weiß nicht warum ich immer wieder trotz allem den klaren Kopf bewahre und weiterkämpfe, ich nenne es mal das "Prinzessin-Syndrom"
Ich rief bei einem Krankenhaus mit psychosomatischer Abteilung an, wo ich dann auch drei Monate stationär behandelt wurde. Entlassen wurde ich medikamentenfrei und u.a. mit der Diagnose "Boderline Störung" Uff!!! Natürlich fing ich nun an, mich zu informieren, endlich hatte mein Leid einen Namen und die Symptome, mein Denken und Verhalten, passte wie Arsch auf Eimer. Wie es anders nicht sein sollte, wurde ich wieder depressiv, ich fing wieder mit Medikamenten an und kontaktierte den sozial-psychiatrischen Dienst. Frau K. begann mich zu betreuen und stellte mich einem psychiatrischen Oberarzt in einer nahegelegenen Seelenklinik vor. Dort bin ich nun seit 2 Jahren regelmäßig in Behandlung. Ein sehr guter Arzt und ich habe das Gefühl, das ich bei jemandem in der Obhut bin, der weiß wovon er redet. Er verordnete mir ein anderes Medikament, welches mir sehr viel besser hilft. Er klärte mich über meine Diagnosen auf, glaubte nicht an Boderline und meinte, dass diese Diagnose oft falsch gestellt wird. Zudem sagte er, dass zehn Jahre Psychotherapie einen Therapiedefekt verursachen, sprich ich bin tot therapiert. Nach etwa einem Jahr der Beobachtung kam er zu dem Schluss, dass ich an der bipolaren Störung erkrankt bin. Ich bestellte mir Bücher, recherchierte im Internet und mir wurde klar: ja! genau so fühle ich mich, genau das BIN ich. Mittlerweile habe ich ein weiteres, stimmungsstabilisierendes Medikament erhalten, welches ich nun in zwei weiteren Wochen auf die für mich bestimmte Dosis erhöhe. Es geht mir gut und Dr. Z. beobachtet genau. Es wird Blut abgenommen, um zu sehen, ob die Medikamente wirken oder gut dosiert sind. Sowas wurde zuvor noch bei keinem Arzt gemacht!

Mit der bipolaren Störung zu leben ist nicht einfach. Oft genug muss ich mich selbst dazu ermahnen "du bist krank!" weil sich die andere Seite in mir sagt "ach was, stell dich nicht so an" Mein Sein als Krankheit zu verstehen fällt mir oft nicht leicht, das Unverständnis der meisten, was psychische Erkrankungen angeht, hat sich auf mein Ego übertragen.  Dieses Blog zu schreiben hilft mir dabei und ich somit auch vielleicht durch Aufklärung, wie sich jemand fühlt, der damit leben muss. Möglicherweise gibt es auch andere, die daran erkrankt sind. Ich jedenfalls freue mich über Kommentare, auf Austausch und Freundschaften.

Herzlichst, Frau F.


Sonntag, 1. März 2015

Für die Tonne

War mein gestriger Tag. Eigentlich begann er richtig gut, ich war ausgeschlafen und guter Dinge meinen Haushalt endlich mal auf Vordermann zu bringen. Nicht einmal das Regal, welches Küche und Wohnzimmer trennt habe ich fertig bekommen... Keine Ahnung, was passiert ist, dass sich meine Laune um 180 Grad gedreht hat. Irgendwann fing ich an negative Gefühle zu bemerken. Wut. Hass. Und ich habe sie nicht in den Griff bekommen. Hat mich - hab mich - schwer enttäuscht. Heute ist5 es nicht wirklich viel besser, ich versuche es an zu nehmen, aus zu leben und hoffe, dass ich morgen wieder so fit bin, dass ich meine Arbeit getan kriege.

Sonntag, 22. Februar 2015

Über Freundschaft

Ich bin krank. Nach Rosenmontag war meine Stimme weg, aber ich fühlte mich sonst ganz gut. Ich nahm an, dass durch das viele Bier die Magensäure meine Stimmbänder gekillt hat und ich mal wieder eine Kehlkopfentzündung habe. Passiert mir manchmal, ich habe die Reflux-Krankheit. Doch ich war auch total müde... trotzdem schob ich alles auf das viele Feiern, den Alkohol und die damit verbundenen Spätleiden :) Kater lässt grüßen!

Nach einer Woche der Rekonvaldeszenz aber fing gestern mein Kopf an dicht zu werden. Die Nase voller Schnodder, der mich ständig niesen ließ, und ich schlief fast wieder den ganzen Tag. Früh im Bett, schlief ich früh ein und wachte heute morgen dementsprechend auch früh auf - halb vier ungefähr. So einiges ging mir durch den Kopf seither, auch die Frage nach dem Sinn dieses Blogs. Was will ich damit erreichen? Suche ich Aufmerksamkeit oder brauche ich eine öffentliche Jammerplattform?? Beides zugegebener maßen ein wenig, doch in erster Linie möchte ich einfach mal aufschreiben, was ich denke, was ich fühle und wie ich mit all dem umgehe. Es geht darum eine andere Sicht auf mich selbst zu erlangen, vielleicht verstehen zu können, warum anderen über mich sagen, ich sei stark, ich sei hübsch oder ich wäre toll. All das empfinde und sehe ich nämlich so gar nicht, doch irgend etwas muss ja dran sein - oder es handelt sich alternativ um einen kollektiven Komplott gegen meine mich, was doch ziemlich an den Haaren herbei gezogen scheint :)

Ne, mal ehrlich jetzt... was finden die Leute nur an mir?? Ich bin dick, habe mein Leben bislang nicht auf die Reihe bekommen und denke, dass ich nicht unbedingt ein "einfacher" Mensch bin. Ich habe Freunde, sogar mehrere richtig gute. Freunde, auf die ich mich verlassen kann, denen ich zu 100 % vertraue und die für mich da sind in schlechten so wie guten Zeiten. Das ist viel wert, viel mehr als das Meiste. Freundschaft ist ein teures Gut, welches umhegt und gepflegt werden will. Manchmal bin ich zu nachlässig und melde mich nicht. Doch das ist kein großes Problem für wahre Freunde, finde ich. Sich zu respektieren bedeutet auch sich seine Freiräume zu lassen. Ich freue mich, wenn mich einer meiner Freund anruft oder mir schreibt, wenn ihm oder ihr danach ist, bin aber nicht beleidigt, wenn dem nicht so ist. Ich rufe an, wenn mir danach ist und finde es echt auch in Ordnung, wenn mein Gegenüber dann keine Lust hat zu quatschen. Doch all das passiert eher selten und wenn wir uns treffen, dann ist es immer schön! Freunde waren und sind für mich dann, wenn es die Familie nicht war oder ist. Für mich sind meine Freunde meine wahre Familie.

In meinem Leben begegne ich immer wieder anderen Menschen, die mir auf Anhieb sympathisch sind. Manche begleiten mich ein Stück des Weges - andere bleiben für immer. Doch eines habe sie alle gemeinsam: sie sind in Verbindung mit mir. Etwas, dass ich schlecht beschreiben kann... ein Gefühl der inneren Verbundenheit. So gibt es z.B. das Hasenvieh, einen netten Mann, den ich über mein Hobby die Fotografie im Internet kennenlernte, YB die ich während einer Reha kennenlernte, Sandy die mich gleich zum Frühstück besuchen kommt und seit fast 30 Jahren kenne, El M. der ursprünglich ein Schulkamerad von Herrn F. war und vor Jahren auswanderte, ME die ich durch den Chat in einem Diätforum kennen lernte und noch jede Menge andere. Ein wirklich guter und vertrauter Freund ist Herr F., in den ich mich vor 25 Jahren verliebte und 8 Jahre später heiratete. Und er ist derjenige, dessen Freund ich eigentlich lieber nicht wäre... warum fragt ihr euch?? Ich bin unglücklich mit ihm, denke, dass meine Problematik mit ihm und unserer Partnerschaft zusammen hängt. Würde ich nicht einen Freund verlieren, hätte ich mich schon getrennt, denn ich weiß und fühle, dass es mir gesundheitlich ohne ihn besser ginge.

Tja und das sitze ich nun, Frau F. mitten im Leben...




Freitag, 20. Februar 2015

Ich bin stark... Teil I

...wirklich??? Zumindest ist es das, was ich oft von meinen Mitmenschen als verbale Anerkennung erfahre. Warum denken meine Mitmenschen so über mich und vor allem, warum denke ich nicht so?? Manche Tage zerbreche ich mir darüber den Kopf, weil ich es nicht für wahr halte - andere Tage wiederum bin ich aktiv und kreativ, weil ich es für wahr halte. Momentan bin ich mal wieder bei zuerst erwähnten Tagen angelangt. Der Grund dafür ist ein neues psychosomatisches Symptom.

Seit einiger Zeit empfinde ich eine körperliche Störung, die ich am besten mit "Schüttelfrost im Gehirn" beschreiben möchte. Es passiert plötzlich, ohne Vorwarnung und Grund, ich fühl mich wohl und bin zufrieden mit mir (zumindest relativ) Dann sitze ich am Arbeitsplatz und plötzlich wird mir komisch, fühlt sich an wie Schwindel, als ob mein Bewusstsein für den Bruchteil einer Hundertstel-Sekunde in eine andere Dimension reist. Dann zittert mein Gehirn, ich stelle mir vor, dass es sich so in etwa anfühlt, wenn man einen leichten Stromschlag abbekommt. 3 Mal ist das nun passiert, ich habe mich dann hingelegt und geschlafen, denn ich war auch total erschöpft deswegen.

Vor einer Woche war ich bei meinem Neurologen, der mir erklärte, dass das Gehirn sich im Schädel nicht bewegen und es wohl auch nicht von dem Antidepressivum kommen können, sondern eher ein psychosomatisches Symptom sei. Okay, irgendetwas stimmt nicht in meinem Leben und meine Seele schreit mich mit Hilfe meines Körpers an. Aber verdammt noch mal, der Sturm wütet so laut, dass ich nicht ein Wort davon verstehe! Es fing doch gerade wieder an, dass ich in die Bahn komme, um alle Neune des Lebens zu schmeißen. Doch sofort beginne ich wieder über alles mögliche zu grübeln.

Ist mein Leben das, was ich möchte?
Ist mein Partner gut für mich?
Wie sieht meine Zukunft aus?
Werde ich jemals gesund?
Werde ich jemals glücklich?
Was ist mir passiert?
Was habe ich verdrängt??

Das erste Mal wurde mir von einem Arzt "psychosomatisch" als Grund genannt, als ich nach einem 3 wöchigen Aufenthalt im Krankenhaus zum Kontrollbesuch bei ihm war. Ich hatte Bauchweh und Durchfall bekommen, welcher so schlimm wurde, dass sich mein Darm von oben bis unten entzündet hat. Von ganzen 2 Wochen im Krankenhaus weiß ich vor lauter Schmerzmittel nichts mehr... Diagnose Morbus Crohn. Gut, diese Diagnose traf mich nicht, sondern ich war erleichtert, denn endlich gab es einen Grund für 20 Jahre Bauchkrämpfe und auch für die in meiner Kindheit. Damit kann ich leben. Mein Arzt nannte mir eine Klinik für Psychosomatik, in der ich mich auch vorstellte. Doch nach dieser Krankheit bekam ich eine Depression. Ein Kind der Traurigkeit war ich immer schon, auch hatte ich bereits die Verordnung eines Antidepressivums abgelehnt. Verdammter Mist, ich dachte eben, dass ich das noch alleine hinbiegen kann. Doch nach all dem, was nun passierte wusste ich: das schaffst du nicht - hol Dir Hilfe! Ich war bereits seit 4 Jahren in Psychotherapie und demnach nun den Medikamenten gegenüber aufgeschlossener. Also lies ich mir was verschreiben, das auch wirklich gut geholfen hat und sagte der psychosomatischen Klinik ab. Ich funktionierte ja wieder und glaubte immer noch, dass ich es alleine schaffen kann.

Fortsetzung folgt...


Halli Hallo Ihr da draußen - willkommen in meiner komplizierten Welt!

Ich bin Frau F., das Pseudonym einer 43 jährigen Frau, die ein großes Problem hat: ihr Leben...
und habe mir überlegt, dass ich einfach mal anfange einen Blog zu schreiben. Natürlich nicht zuletzt in der Hoffnung zu erfahren, dass ich nicht die einzig Bekloppte auf der Welt bin und es möglicherweise noch anderen Menschen ähnlich ergeht wie mir :)

Wie alt ich bin, habe ich ja nun schon verraten und NEIN! ich stecke nicht in der Midlife-Crisis :P
Keine Ahnung, wann genau mein Problem Leben begonnen ist, manchmal denke ich bereits mit meiner Zeugung - manchmal denke ich in der Kindheit oder in meinen Teenagerzeiten. Eigentlich auch scheissegal, denn ich frage mich nur eines: wann verdammte noch mal bekomme ich dieses Problem endlich in den Griff???

Keine Kinder, seit 25 Jahren in einer Beziehung und 8 davon nicht verheiratet. Ich bin momentan nicht gerade glücklich mit meinem Mann, deutlicher gesagt bedeutet das, dass die Beziehung mich krank macht. Und damit meine ich das nicht im übertragenen Sinne, ich bin wirklich krank geworden, körperlich und psychisch, doch darauf gehe ich im Verlauf des Bloggens näher ein - irgendwann.

Ich bin Psychosomat - bitte Münze einwerfen!


Auf diesen Seiten möchte ich ein Tagebuch schreiben, um mir selbst auf die Schliche zu kommen oder zu begreifen, wo ich immer wieder hängenbleibe, so dass ich im Hamsterrad den niemals endenden Marathon laufe. Ich freue mich auf Leser, Mitstreiter/innen und Verstehende.

Frau F.