Nein, nicht sexuell - sondern erkrankt an der bipolaren Störung. Hatte ich das bereits erwähnt? Ich glaube nicht. Nun, ein schwerwiegender Grund, warum ich ständig für mein Leben kämpfe, ist genau diese Erkrankung. Bipolar zu sein erfordert viel Kraft. Ständig muss ich mich wieder aufrappeln, wenn ich hingeflogen bin, um meine Krone wieder aufzusetzen und weiter zu watscheln. Keine leichte Aufgabe! Denn so oft, wie ich falle, so blau können Knie gar nicht werden.
Meine Geschichte: dass ich psychisch nicht ganz in Ordnung bin, das ist schon sehr lange der Fall, wahrscheinlich seit meiner Kindheit. Doch das wollte ich nie wahrhaben. Schon vor mehr als zwanzig Jahren riet mir eine Neurologin zu Antidepressiva, die ich natürlich dankend ablehnte und mich hier wieder bei ihr blicken ließ. Depressionen - ICH? Pfffff, im Leben nicht. Außerdem verändern diese Pillen meine Persönlichkeit, so dachte ich damals. Die Jahre vergingen und es wurde nicht besser. Ich fing an, psychosomatisch zu reagieren, weil ich den Schmerz meiner Seele ignorierte. Nach dem Studium fiel ich in das besagte Loch, Konnte und wollte mich nicht aufraffen, beruflich Fuß zu fassen, so dass ich den idiotischen Plan hatte, Mutter werden zu wollen. Das Alter (29) passte ja schließlich und die Liebe meines Lebens hatte ich auch gefunden. Es stellte sich heraus, dass wir beide unfruchtbar sind, die künstliche Befruchtung wurde geplant. Meine Gynäkologin schickte mich unterstützend zur Psychologin "das wird kein leichter Weg, Frau F." sagte sie und ich nahm es an. Die folgenden zehn Jahre verbrachte ich dann in Psychotherapie, bei der mir einiges klar wurde.
1. Ich will keine Mutter werden
2. Ich bin depressiv
3. Ich muss mein Leben in Ordnung bringen
4. Ich muss mich um mich selbst kümmern.
Die Therapie half insofern, als dass ich beruflich anfing Fuss zu fassen, soziale Ängste verlor und sich mein Selbstbewusstsein steigerte. Aber nach einem Hoch folgt meist das Tief, ich wurde wieder depressiv und das schlimmer als je zuvor! Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich das ohne medikamentöse Unterstützung nicht schaffen kann und ich ließ mir ein Antidepressivum verordnen. Es half, sehr gut sogar und ich war lange Zeit stabil. Aber trotzdem fiel ich in eine weitere, sehr schwere Depression, ich weinte 2 Tage lang und dachte an Suizid. Nein, ich wollte nicht sterben, aber ich wollte auch auf keine Fall so weiter leben müssen und der Freitod schien mir die beste Lösung. Trotz allem war ich aber noch so klar im Kopf, dass ich zu meinem Psychiater fuhr, der mich als Notfall in die Psychiatrie einwies. Um es kurz zu halten, ich blieb nicht dort, wollte mich nicht vollpumpen lassen. Stattdessen trat ich eine psychosomatische Reha an, war ganz gut, aber mit fünf Wochen viel zu kurz und ich war nach kurzem aufbäumen wieder im Keller. Die Rehaklinik hatte mich als "arbeitsfähig" entlassen und mir eine "unsichere Persönlichkeit" und "Depression" bescheinigt. Ich weiß nicht warum ich immer wieder trotz allem den klaren Kopf bewahre und weiterkämpfe, ich nenne es mal das "Prinzessin-Syndrom"
Ich rief bei einem Krankenhaus mit psychosomatischer Abteilung an, wo ich dann auch drei Monate stationär behandelt wurde. Entlassen wurde ich medikamentenfrei und u.a. mit der Diagnose "Boderline Störung" Uff!!! Natürlich fing ich nun an, mich zu informieren, endlich hatte mein Leid einen Namen und die Symptome, mein Denken und Verhalten, passte wie Arsch auf Eimer. Wie es anders nicht sein sollte, wurde ich wieder depressiv, ich fing wieder mit Medikamenten an und kontaktierte den sozial-psychiatrischen Dienst. Frau K. begann mich zu betreuen und stellte mich einem psychiatrischen Oberarzt in einer nahegelegenen Seelenklinik vor. Dort bin ich nun seit 2 Jahren regelmäßig in Behandlung. Ein sehr guter Arzt und ich habe das Gefühl, das ich bei jemandem in der Obhut bin, der weiß wovon er redet. Er verordnete mir ein anderes Medikament, welches mir sehr viel besser hilft. Er klärte mich über meine Diagnosen auf, glaubte nicht an Boderline und meinte, dass diese Diagnose oft falsch gestellt wird. Zudem sagte er, dass zehn Jahre Psychotherapie einen Therapiedefekt verursachen, sprich ich bin tot therapiert. Nach etwa einem Jahr der Beobachtung kam er zu dem Schluss, dass ich an der bipolaren Störung erkrankt bin. Ich bestellte mir Bücher, recherchierte im Internet und mir wurde klar: ja! genau so fühle ich mich, genau das BIN ich. Mittlerweile habe ich ein weiteres, stimmungsstabilisierendes Medikament erhalten, welches ich nun in zwei weiteren Wochen auf die für mich bestimmte Dosis erhöhe. Es geht mir gut und Dr. Z. beobachtet genau. Es wird Blut abgenommen, um zu sehen, ob die Medikamente wirken oder gut dosiert sind. Sowas wurde zuvor noch bei keinem Arzt gemacht!
Mit der bipolaren Störung zu leben ist nicht einfach. Oft genug muss ich mich selbst dazu ermahnen "du bist krank!" weil sich die andere Seite in mir sagt "ach was, stell dich nicht so an" Mein Sein als Krankheit zu verstehen fällt mir oft nicht leicht, das Unverständnis der meisten, was psychische Erkrankungen angeht, hat sich auf mein Ego übertragen. Dieses Blog zu schreiben hilft mir dabei und ich somit auch vielleicht durch Aufklärung, wie sich jemand fühlt, der damit leben muss. Möglicherweise gibt es auch andere, die daran erkrankt sind. Ich jedenfalls freue mich über Kommentare, auf Austausch und Freundschaften.
Herzlichst, Frau F.
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